Sprachen in Spanien: Welche Sprache wird wo gesprochen?

In Spanien haben sich in den verschiedenen Regionen zahlreiche unterschiedliche Sprachen erhalten. Viele von ihnen werden bis heute im Alltag gesprochen.

Spanien: Ein Land mit vielen unterschiedlichen Sprachen

Wenn man in Deutschland die Menschen fragt, welche Sprache in Spanien gesprochen wird, dann fällt die Antwort in der Regel eindeutig aus: Spanisch. Wenn man jedoch die Menschen in diesem Land fragt, welche Sprache sie sprechen, erhält man hingegen ganz andere Antworten. Die Mehrheit der Gesamtbevölkerung antwortet wahrscheinlich mit „castellano“.

Das bedeutet auf Deutsch Kastilisch.

  • Andere Menschen werden mit catalán/català (Katalanisch),
  • gallego/galego (Galicisch),
  • vasco/euskara (Baskisch),
  • valenciano/valencià (Valencianisch)
  • oder sogar mit aranés (Aranesisch) antworten.

Der erste Ausdruck gibt dabei jeweils die Bezeichnung in der kastilischen Sprache wieder, der zweite in der jeweiligen Regionalsprache. Lediglich im Fall des Aranesischen ist die Bezeichnung in beiden Sprachen gleich. Der Ausdruck „español“ (Spanisch) wird jedoch wahrscheinlich nur sehr selten fallen. Im Bewusstsein der Spanier ist es tief verankert, dass es keine einheitliche spanische Sprache gibt.

Die spanische Sprache ist für die Menschen in diesem Land eine Einheit, die aus vielen verschiedenen Einzelsprachen besteht. Wenn man in Deutschland einen Spanischkurs besucht, dann lernt man in der Regel Kastilisch. Dabei handelt es sich um die am weitesten verbreitete Sprache in Spanien. Auch in allen spanischsprachigen Ländern Lateinamerikas wird das Kastilische gesprochen – neben einigen indigenen Sprachen, die sich in manchen Regionen erhalten konnten.

Die folgende Tabelle zeigt, wie stark die einzelnen Sprachen im Land vertreten sind. Dabei wird deutlich, dass die große Mehrheit die kastilische Sprache spricht. Es kommt hinzu, dass in den Regionen, in denen auch anderen Sprachen verbreitet sind, die meisten Menschen zweisprachig sind.

Das bedeutet, dass sie neben der jeweiligen Regionalsprache auch das Kastilische perfekt beherrschen.

In Spanien gesprochene Sprachen (in Prozent der Gesamtbevölkerung)
Kastilisch 74
Katalanisch 17
Galicisch 7
Baskisch 2

Quelle

Video: Spanische Sprache

Die Geschichte des Landes: Wie ist die heutige Sprachverteilung zu erklären?

Fast alle spanischen Sprachen gingen aus dem Lateinischen hervor. Die Römer begannen etwa 200 vor Christus mit der Eroberung dieser Gebiete. Die spanischen Sprachen stammen jedoch nicht von der lateinischen Schriftsprache ab. Diese beherrschten nur recht wenige Menschen. Das gesprochene Latein – das auch als Vulgärlatein bezeichnet wird –wies erhebliche Unterschiede zur Schriftsprache auf. Diese Umgangssprache stellt den Ursprung der meisten spanischen Sprachen dar. Die einzige Ausnahme ist hierbei die baskische Sprache.

Hierbei handelt es sich um eine sogenannte isolierte Sprache, die zu keiner anderen bekannten Sprache verwandt ist. Sie geht auf die Dialekte zurück, die bereits vor der Eroberung durch die Römer in dieser Region gesprochen wurden.

Im Frühen Mittelalter wurde Kastilisch nur in einer sehr kleinen Region – in der ursprünglichen Grafschaft Kastilien – gesprochen. In Spanien waren zu dieser Zeit viele verschiedene Regionalsprachen verbreitet. Im Hoch- und im Spätmittelalter konnte Kastilien seine Macht und seinen Herrschaftsbereich jedoch deutlich ausbauen. Auf diese Weise entwickelte sich das Kastilische zur am häufigsten verwendeten Sprache auf der Iberischen Halbinsel. Dennoch gab es zu dieser Zeit noch viele unabhängige Staaten, die alle ihre eigenen Sprachen hatten.

Ein Staat, der ganz Spanien umfasste, entstand erst 1469. Doch auch dieser ließ den vormals unabhängigen Landesteilen große Freiheiten.

Ein Staat, der ganz Spanien umfasste, entstand erst 1469. Doch auch dieser ließ den vormals unabhängigen Landesteilen große Freiheiten.(#03)

Ein Staat, der ganz Spanien umfasste, entstand erst 1469. Doch auch dieser ließ den vormals unabhängigen Landesteilen große Freiheiten. Diese umfassten unter anderem eigene Institutionen und eigene Sprachen. Da sich Kastilien jedoch zur führenden Macht innerhalb Spaniens entwickelte, gewann diese Sprache weiter an Prestige. Es kommt hinzu, dass die Eroberung Amerikas vorwiegend über die Hafenstädte Sevilla und Cádiz stattfand. Hier wurde kastilisch gesprochen. Das führte dazu, dass sich diese Sprache auch in die Neue Welt ausbreitete.

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich Spanien langsam zu einem Zentralstaat. Das hatte zur Folge, dass die Rechte der einzelnen Regionen, die auch die jeweiligen Regionalsprachen umfassten, immer stärker eingeschränkt wurden. Auch an Schulen und Universitäten setzte sich im ganzen Land die kastilische Sprache durch.

Ein weiterer Punkt, der die Verbreitung der kastilischen Sprache förderte, war der Ablauf der Industrialisierung in Spanien. Diese erfasste in erster Linie das Baskenland und Katalonien. Das führte dazu, dass zahlreiche Menschen aus den ländlichen zentralen Regionen, in denen die kastilische Sprache gesprochen wird, nach Katalonien und ins Baskenland auswanderten. Da die Mehrheit der Einheimischen in diesen Regionen zweisprachig war, bestand für die Neuankömmlinge kein Anlass, die entsprechende Regionalsprache zu erlernen. Das führte dazu, dass diese weiter verdrängt wurden.

Während des Franco-Regimes kam es schließlich zu einer starken Unterdrückung aller regionalen Bewegungen. Das hatte zur Folge, dass die regionalen Sprachen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens zurückgedrängt wurden. Dadurch nahm die Verwendung stark ab. Erst seit der Redemokratisierung ist wieder eine stärkere regionale Identität zu verzeichnen. Auch die Unterrichtssprache hat an vielen Schulen des Landes gewechselt, sodass die Kinder immer häufiger die entsprechende Regionalsprache verwenden.

Spanien ist politisch in 17 Autonome Gemeinschaften gegliedert. Sechs dieser Autonomen Gemeinschaften haben neben dem Kastilischen noch eine weitere Amtssprache. Katalonien ist offiziell sogar dreisprachig.

Spanien ist politisch in 17 Autonome Gemeinschaften gegliedert. Sechs dieser Autonomen Gemeinschaften haben neben dem Kastilischen noch eine weitere Amtssprache. Katalonien ist offiziell sogar dreisprachig.(#02)

Amtssprachen in den Autonomen Gemeinschaften

Spanien ist politisch in 17 Autonome Gemeinschaften gegliedert. Sechs dieser Autonomen Gemeinschaften haben neben dem Kastilischen noch eine weitere Amtssprache. Katalonien ist offiziell sogar dreisprachig. Wenn man betrachtet, wo sich die mehrsprachigen Regionen befinden, dann fällt auf, dass diese alle in den Randbereichen Spaniens liegen. Insbesondere im Osten des Landes konnten sich die sprachlichen Besonderheiten vielerorts erhalten.

Hinzu kommt Galicien im Nordwesten der Iberischen Halbinsel. Daraus geht hervor, dass im Zentrum des Landes das Kastilische dominiert. In den größten Teilen des Landes spricht die Bevölkerung ausschließlich diese Sprache. Dennoch ist es sinnvoll, einen genaueren Blick auf die einzelnen Regionen zu werfen, die eine zweite offizielle Amtssprache haben.

Video: Katalanisch lernen (kostenloses Sprachkurs-Video)

Katalonien

Katalonien ist eine der wirtschaftlich bedeutendsten Regionen Spaniens. Hier befindet sich außerdem die zweitgrößte Stadt das Landes – Barcelona. Darüber hinaus gibt es hier eine starke Unabhängigkeitsbewegung, die sich von Spanien lossagen möchte. Die katalanische Sprache wird hier von der Regionalregierung stark unterstützt. Sie ist neben dem Kastilischen offizielle Amtssprache in diesem Gebiet. Sie wird in Schulen, in Universitäten und in der öffentlichen Verwaltung verwendet. Dennoch ist ihre Verbreitung nicht allzu hoch.

Die folgende Tabelle zeigt, dass sie nur weniger als ein Drittel der Bevölkerung als Muttersprache angibt. Mehr als die Hälfte gabt bei der entsprechenden Befragung hingegen die kastilische Sprache an.

Muttersprache der katalanischen Bevölkerung (2013)
Katalanisch 31,0 %
Kastilisch 55,1 %
Beide Sprachen 2,4
Aranesisch 0,0
Arabisch 2,4
Andere Sprachen 7,6
Andere Sprachkombinationen 0,5
Keine Antwort 0,8

Quelle

Neben der katalanischen Sprache gibt es in Katalonien noch eine weitere offizielle Amtssprache: Aranesisch. Diese wird jedoch nur im Val d’Aran gesprochen – einem kleinen Tal in den Pyrenäen, direkt an der französischen Grenze. In diesem Tal geben zwar rund 65 Prozent der Menschen Aranesisch als Muttersprache an. Da dieses jedoch insgesamt nur etwa 6.000 Einwohner hat, ist der Prozentsatz auf Gesamtkatalonien gerechnet so gering, dass diese Sprache in der Statistik einen gerundeten Wert von 0,0 Prozent erzielt.

Balearen

Die katalanische Sprache wird nicht nur in Katalonien gesprochen, sondern auch auf den Balearen. Diese stellten zwar mittlerweile eine eigene Autonome Region dar. Allerdings besteht ein enger kultureller Bezug zu Katalonien. Die Verbreitung der katalanischen Sprache ist hier sogar etwas höher: 36,1 Prozent der Befragten bezeichneten das Katalanische als ihre bevorzugte Sprache. Dennoch ist auch hier das Kastilische mit 45,9 Prozent klar überlegen.

Video: Valencianische Sprache

Valencia

Die Autonome Gemeinschaft Valencia hat zwei verschiedene Amtssprachen. Neben dem Kastilischen wird hier auch Valencianisch aufgeführt. Diese Sprache ist dem Katalanischen sehr ähnlich. Sie wird nur in den Küstengebieten der Region gesprochen. Im Landesinneren ist sie nicht verbreitet. In den Regionen, in denen traditionell valencianisch gesprochen wird, verwendet rund ein Drittel der Bevölkerung diese Sprache im Alltag. Wenn man jedoch die gesamte Autonome Gemeinschaft betrachtet, ist der Anteil deutlich geringer.

Video: Baskisch lernen (kostenloses Sprachkurs-Video)

Baskenland

Die baskische Sprache nimmt in Spanien eine Sonderstellung ein. Alle übrigen spanischen Sprachen sind sich untereinander so ähnlich, dass eine elementare Kommunikation selbst dann möglich ist, wenn Menschen mit unterschiedlicher Muttersprache aufeinandertreffen. Die baskische Sprache hat jedoch ganz andere Ursprünge und ist für Menschen aus anderen Regionen Spaniens nicht zu verstehen. Die Verbreitung dieser Sprache ist außerdem sehr gering. Bei einer Befragung aus dem Jahr 2006 gaben nur 10 Prozent der Bevölkerung des Baskenlandes an, dass Sie die baskische Sprache besser beherrschen als das Kastilische. Der Anteil der Menschen, die ausschließlich baskisch sprechen, ist verschwindend gering.

Die baskische Sprache nimmt in Spanien eine Sonderstellung ein.

Die baskische Sprache nimmt in Spanien eine Sonderstellung ein.

Navarra

Die Region Navarra erkennt Baskisch ebenfalls als offizielle Sprache an – allerdings nur in den baskischsprachigen Gebieten. In Navarra geben rund sechs Prozent der Bevölkerung Baskisch als Muttersprache an.

Galicien

Im Nordwesten des Landes befindet sich die Autonome Region Galicien. Auch hier gibt es neben dem Kastilischen eine weitere offizielle Sprache: Galicisch. Diese ist der portugiesischen Sprache ausgesprochen ähnlich. Die Unterschiede sind nur minimal. Galicien nimmt unter allen vorgestellten Gebieten eine Sonderstellung ein. Hierbei handelt es sich um die einzige Autonome Gemeinschaft Spaniens, in der mehr Menschen die jeweilige Regionalsprache als Muttersprache angaben (47,4 %) als die kastilische Sprache (27,1 %). Hinzu kommen 23,1 Prozent, die beide Sprachen als ihre Muttersprache bezeichnen.


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Über Sabrina Müller

Sabrina Müller

Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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